im Leben unterwegs
I'm either unravelling or coming to sense. Either coming undone or coming to. Which one is it?
Guildenstern - 10. Nov, 21:49
And then along came he. No, we don't do anything. No, we don't even talk much about it. But we talk about it, he's a straight guy, I'm a woman, and we thoroughly enjoy each other's presence and experiences. I can learn "man" from him, he can learn "woman". Bless him!
Guildenstern - 14. Okt, 21:47
Von der Internetseite des ORF, orf.at, 8.10.08, 19:30:
Eine weitere von Haider und Strache geplante Maßnahme soll die Gründung einer überparteilichen Plattform "SOS Demokratie" sein. Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern seien eingeladen, für einen Ausbau der direkten Demokratie sowie der Minderheitenrechte einzutreten.
Noch Fragen? Oder ist eh alles klar? Die Dreistigkeit, die Unverfrorenheit, die Chuzpe sind eigentlich zu erwarten gewesen, aber dann für eine außer Sichtweite der rechten Grenze Angesiedelte doch atemberaubend hässlich. Man fühlt sich außerdem an eine schlimme Klasse erinnert, in der zwei, drei Verhaltenssorgenkinder sitzen, die man wohlwissend nie in den Griff kriegen wird, weil sie wiederum wissen, dass sie, was Listen und Tücken betrifft, den Lehrern um Längen voraus sind und sich mit Tricks einfach immer wieder auch den einen oder anderen Bewunderer unter den Mitläufern in der Klasse verschaffen können. Obwohl man an das Gute im Menschen glaubt, ist man von den Abgründen, die man in den Augen dieser Schüler sieht, entsetzt, ob ihrer fassungslos.
Guildenstern - 8. Okt, 19:25
Sonntag Nachmittag, ein kurzer Zug. Hallo??? Ein kurzer Zug? Gut, kann man ja nicht vorhersehen, dass da ein paar vom Wochenende zurückfahren, noch dazu auf einer IC-Route. Das wär ja noch zu ertragen gewesen. Der erste Großraumwagen, in den ich trete, riecht wie eine Jungenturngarderobe und ist so feucht wie ein Schwimmbad. Hallo? Ich mein, hallo??? Ist da nicht so was wie ein Thermostat, mit dem man das alles etwas besser regulieren könnte? Ich will nix wie schnellstens durch, wenn's sein muss, auch in ein kleines Abteil. Aber nix da. Es staut. Zwei Leute hinter mir eine Telefonunterhaltung: "Ja, ich bin eh im Zug, ich bin einen Wagen hinter dir. Aber ich bin im Zug im Stau. Es geht nichts weiter." Und was ist der Grund? Schwer auszumachen in dem Durcheinander fröhlicher Frauengesichter. Aha, es tut sich mir eine Erkenntnis auf. Die hatten Plätze reserviert und müssen nun die Plätzebreitsitzer vertreiben. Die Zeit, die es dauert, bis alle sich entschieden haben, wer wann wen vorbeilässt und wo seine Tasche verstaut, ist jedoch gigantisch. Ob die realisieren, dass es außer ihnen noch jemanden gibt? Ein Herr fragt mich: "Gehören Sie auch da dazu?" Ich verneine vehement. (Nichts gegen Gruppen von gemeinsam verreisenden Frauen, bin ja auch oft so eine, aber die Umständlichkeit ist schon leicht ärgerlich.) Ich wollte da nur schnell durch. "Sie können aber meinen Platz haben, ich steig in ... aus." Ach, ja, genau, wir sind ja gleich in der nächsten Stadt. Sind schon fast eine Viertelstunde unterwegs. Dass ich mich dann im Feuchtbiotop niederlasse, ist auf Resignation zurückzuführen. Dass ich die lautstarken Terminvereinbarungen der Reisetruppe aushalte, ist nur auf meine gute Lektüre zurückzuführen. Soll ich heute noch bei Vince & Joy weiterlesen? Hmm, 200 Seiten werden sich heute aber nicht mehr ausgehen. Darn. :o)
Guildenstern - 5. Okt, 20:44
So this is the end? Do people not see they're turning us right back to the days of that "gentleman" with the eerie tiny moustache? Except this time it's the eyes that pierce. Do they not see that protesting against some existing bad cannot mean resorting to an existing worse and yet to come worst?
The world needs to change, my country needs to change!
Guildenstern - 28. Sep, 21:04
Wissen wollen. Das war schon immer meine Stärke, und es war schon immer meine Schwäche. Geheimnisse werden nichtig, wenn man sie weiß, wenn sie sich auflösen. Spannung wird zerstört, baut sich im besten Fall langsam ab. Ich bin die ganze Zeit nur pianissimo gespielt worden, nun soll ich mich an mezzoforte, forte, fortissimo gewöhnen? Wie denn das? Ich will fortissimo, ich will presto ab und zu. Aber wie verforme ich mich dabei nicht?
Ich will wissen und verstehen - das Leben verstehen, mich verstehen, die Welt verstehen, die anderen verstehen, Veränderungsmöglichkeiten sehen, verstehen, anpacken. Ich will aber auch dann wissen, wenn wissen vielleicht nicht gut ist. Ich wollte wissen, ob er auch auf mich steht, und sobald ich es wusste, standen wir beide mit naiven achtzehn Jahren und scheuen Blicken voreinander und mussten wieder beginnen. Auch jetzt will ich wissen, denn eines habe ich gelernt: Wissen ist Sicherheit, Wissen ist Macht. Wissen ist Macht über Unsicherheiten, Gefühle, über andere. Wenn ich weiß, kann ich mich in Sicherheit wiegen, muss nicht die atemberaubende Spannung ertragen, das Dummsein ertragen, einfach etwas aushalten.
Das war eigenartigerweise jahrelang kein Problem. Aber jetzt ist ja auch der Moment, in dem ich mich frage, ob ich jahrelang gelogen habe, als ich mir sagte, vielmehr bloß dachte, dass ich es eh nicht vermissen würde, mein Innerstes mit einer anderen Seele zu teilen. (Nicht, dass ich jetzt weiß, dass es überhaupt möglich ist, das in einem Mann zu finden, aber andererseits glaube ich schon daran, ich glaube ja.) Ich bin nicht zufrieden damit, meinen Weg alleine zur Erfüllung zu finden. Ich bin nicht zufrieden damit, die Beziehungen anderer glücken zu sehen. Ich bin nicht zufrieden damit, mit Freunden tiefschürfende Gespräche zu führen. Ich will den einen, der mein bester Freund und mein Seelenpartner ist. Er ist aber so sehr selbständiger Mensch, dass er alleine gen Himmel wächst und mich nicht braucht, um sich um mich zu ranken. Auch ich will mich nicht um ihn klammern. Aber ich will bei aller Unterschiedlichkeit immer das Bedürfnis verspüren, zu verstehen, wie er tickt. Wenn ich Blutwurst zum Kotzen finde und das seine Leibspeise ist, dann ist das egal, denn wenn ich ihn und er mich so anziehend und interessant findet, dass wir uns zutiefst kennenlernen wollen, so tun wir das trotz so eines Unterschieds.
Früher, also früher, früher, früher, da las ich Berte-Bratt-Bücher mit einem ... ähm ... fervor, äh, Eifer sagt man, dass ich in jedem Wimpernschlag und in jeder Bewegung eines Charakters die unendlich große Liebe, das Schicksal, die Schönheit der Beziehung sehen konnte. Dann wurde ich irgendwann zwölf, dreizehn, und dann beinahe erwachsen, und aus vielerlei Gründen wird es plötzlich abtrainiert, so intensiv zu fühlen. Man ist zu hässlich, man vertut sich Zeit damit, man findet schönere Erfüllung in Musik, Filmen, Hilfsbereitschaft. Ohne es zu merken, wird man oberflächlich. Es kommen solche und solche Freunde des Weges, und man ist hin und her gerissen zwischen den tiefsinnigen und denen, die die Leidenschaft fürs Leben (zu) zeigen (scheinen).
Als hätte ich eine transparente Hülle rund um meinen Körper, die mir Bewegungsfreiheit erlaubt, erlebe ich alles eingepackt. Die Hülle ist eine Schall-, Druck- und generelle Empfindungsisolation, aber das Gewohnheitstier nimmt hin, was ist. In seiner Gegenwart ist die Hülle weg, und ich bin nur das raue und empfindsame, leicht zu prägende, wahre Ich. Ich will nie anders sein!!
Guildenstern - 22. Sep, 19:52
Zurückgehen, wenn's geht, ist manchmal heilsam und interessant. Ich habe mir gestern einen meiner Lieblingsfilme angesehen. Er steht, wie so vieles, für mehr als nur sich selbst. Aber mein Lieblingsfilm ist er nicht mehr so richtig. Ein paar Szenen wirkten auf einmal richtig aufgesetzt, der Rest dann wieder süß und witzig.
Wichtiger jedoch: Es war einer der letzten Filme vor dem Sommer '99, der eine Lebensänderung bedeutete. Damals war ich unselbständiger, nachdenklicher, aber auch optimistischer, unschuldiger, naiver. Ein Film konnte mich noch an das Gute in der Welt glauben lassen.
Dann wiederum steht er für mein Handeln, das manchmal nicht ganz überlegt und vernünftig ist. Oder doch, aber etwas zu naiv. Ich hatte den Film im Kino gesehen, in einer der heißgeliebten Sneakpreviews, und dann wollte ich ihn auf Video. Auf einem Flohmarkt in Leeds fand ich die Kassette für einen Spottpreis. Entweder war es eine äußerlich sehr gut gemachte Raubkopie, oder ein sehr, sehr, sehr oft gespielter Film, denn die Qualität ist unterirdisch. Ich hatte schon beim Kauf ein mulmiges Gefühl, aber wollte den Film dann doch mehr, als ich bangte.
Zurückgehen ist auch Aufwachen und sich an das Schöne Erinnern, das oft im Schwierigen der Gegenwart verloren geht. Martha, Frank, Daniel, Lawrence. Sie sind ein Erinnerungsfetzen für mein Jetzt.
Guildenstern - 21. Sep, 13:00
Des Lebens Essenz ist Unsicherheit, oder? Wer nur nach Sicherheit strebt, lebt halb. Wie kann man mit schmerzender Unsicherheit leben? Wie lässt man das volle Leben bis in die hintersten Enden der Bronchien des Lebens vor, ohne vor Pein zusammenzuzucken?
Ich weiß die Antwort nicht.
Guildenstern - 20. Sep, 22:06
Ein stöbernder Griff in eine der Kisten mit Kleinkrimskrams förderte zwei dünne Streifchen zutage, die jeweils einem Glückskeks entstammten. Konsumiert in St. Louis, Missouri, ca. September 1999. Gelesen und für ein Omen gehalten, dass ich den Australier, dem ich mein Herz ohne Wenn und Aber und ohne Rückforderungsrecht gegeben hatte, tatsächlich näher kennenlernen würde. Hah! Well, you know what they say about hindsight. Aus heutiger Sicht aber wahnsinnig nahe an meiner Wahrheit.
1) You'll soon achieve what you wish for. (Na ja, der Aussie war's nicht.)
2) Express yourself in arts and music. (Jaaaaaaaaaaaaaaaa!!!)
Kann ich nur dreimal unterstreichen. Will ich; glaub ich; kann ich, glaub ich.
Guildenstern - 28. Jul, 21:37
Lieber Opa!
Ich mache das, was ich gut kann: Ich schreibe. Ich glaube daran, dass du es siehst oder spürst, was ich dir jetzt sage. Dein Ring hat sich geschlossen, aber wir sind noch da. Ich habe dich nicht so richtig verstanden, ich habe dich auch nicht so richtig gut gekannt, obwohl ich dich gekannt habe. Ich habe viel Schmerz miterlebt, weil Mama verletzt und traurig war. Ich habe oft auf taub gestellt und mich an einen anderen Ort gesehnt. Doch ich habe kleine Wunder miterlebt. Ich habe erlebt, dass eine Kraft auf jeden und in jedem Menschen wirkt. Ich habe Veränderungen erlebt. Mit jedem Weihnachstfest und jedem anderen Treffen wurde es ein klitzekleines bisschen anders und besser. Ein Mensch, den ich für ziemlich unverbesserlich hielt, gab Alkohol und Zigaretten nach mehreren Jahrzehnten auf, machte kleine Schritte auf andere, auf seine Tochter zu. Ich mag ihn halt trotzdem, er ist mein Papa, sagte sie dann. Man glaubt wohl nie, dass man jemanden nie wieder sieht. Als ich dir zum Abschied die Hand gab, dachte ich auch, ich würde dich wiedersehen. Allerheiligen, Weihnachten. Ich glaube daran, dass das Schwierige ein verwobener Teppich aus schönen und schlechten Seiten war, und dass ein gutes Herz ganz oft nicht nach vor scheinen konnte. Ich bin dir unendlich dankbar dafür, dass du meine Mama in die Welt gesetzt hast und dass du sie, trotz allen Unglücks, das sie erleben musste, zu einem so wunderbaren Menschen wachsen ließt.
Guildenstern - 22. Jul, 20:03