Zurückgehen, wenn's geht, ist manchmal heilsam und interessant. Ich habe mir gestern einen meiner Lieblingsfilme angesehen. Er steht, wie so vieles, für mehr als nur sich selbst. Aber mein Lieblingsfilm ist er nicht mehr so richtig. Ein paar Szenen wirkten auf einmal richtig aufgesetzt, der Rest dann wieder süß und witzig.
Wichtiger jedoch: Es war einer der letzten Filme vor dem Sommer '99, der eine Lebensänderung bedeutete. Damals war ich unselbständiger, nachdenklicher, aber auch optimistischer, unschuldiger, naiver. Ein Film konnte mich noch an das Gute in der Welt glauben lassen.
Dann wiederum steht er für mein Handeln, das manchmal nicht ganz überlegt und vernünftig ist. Oder doch, aber etwas zu naiv. Ich hatte den Film im Kino gesehen, in einer der heißgeliebten Sneakpreviews, und dann wollte ich ihn auf Video. Auf einem Flohmarkt in Leeds fand ich die Kassette für einen Spottpreis. Entweder war es eine äußerlich sehr gut gemachte Raubkopie, oder ein sehr, sehr, sehr oft gespielter Film, denn die Qualität ist unterirdisch. Ich hatte schon beim Kauf ein mulmiges Gefühl, aber wollte den Film dann doch mehr, als ich bangte.
Zurückgehen ist auch Aufwachen und sich an das Schöne Erinnern, das oft im Schwierigen der Gegenwart verloren geht. Martha, Frank, Daniel, Lawrence. Sie sind ein Erinnerungsfetzen für mein Jetzt.
Guildenstern - 21. Sep, 13:00
Des Lebens Essenz ist Unsicherheit, oder? Wer nur nach Sicherheit strebt, lebt halb. Wie kann man mit schmerzender Unsicherheit leben? Wie lässt man das volle Leben bis in die hintersten Enden der Bronchien des Lebens vor, ohne vor Pein zusammenzuzucken?
Ich weiß die Antwort nicht.
Guildenstern - 20. Sep, 22:06
Keep me from falling until I can see the net.
Guildenstern - 30. Jul, 22:33
Einmal in meinem Leben möchte ich es noch erleben. Dieses Gefühl, das sich in meinem Bauch aufzubauen beginnt, will ich im Zusammenhang mit einem Menschen erleben, der das ganze Leben mit mir teilen will und der so wunderbar ist, so wunderbar für mich, dass es nicht zu fassen ist. Ist er irgendwo da draußen?
Guildenstern - 30. Jul, 22:29
schatten in unserem leben sind nichts anderes als ein zeichen dafuer, dass es irgendwo licht geben muss.
Guildenstern - 29. Jul, 16:52
Erstarren
Feuer
Vom Haar bis zur Zehe
Einklang aller Zellen
Gedanken fokussiert
Aufs Hier und Jetzt
Das ist alles
Synchron mit mir
Lass mich nicht mehr gehen
Ich mich
Guildenstern - 29. Jul, 16:47
Ein stöbernder Griff in eine der Kisten mit Kleinkrimskrams förderte zwei dünne Streifchen zutage, die jeweils einem Glückskeks entstammten. Konsumiert in St. Louis, Missouri, ca. September 1999. Gelesen und für ein Omen gehalten, dass ich den Australier, dem ich mein Herz ohne Wenn und Aber und ohne Rückforderungsrecht gegeben hatte, tatsächlich näher kennenlernen würde. Hah! Well, you know what they say about hindsight. Aus heutiger Sicht aber wahnsinnig nahe an meiner Wahrheit.
1) You'll soon achieve what you wish for. (Na ja, der Aussie war's nicht.)
2) Express yourself in arts and music. (Jaaaaaaaaaaaaaaaa!!!)
Kann ich nur dreimal unterstreichen. Will ich; glaub ich; kann ich, glaub ich.
Guildenstern - 28. Jul, 21:37
Lieber Opa!
Ich mache das, was ich gut kann: Ich schreibe. Ich glaube daran, dass du es siehst oder spürst, was ich dir jetzt sage. Dein Ring hat sich geschlossen, aber wir sind noch da. Ich habe dich nicht so richtig verstanden, ich habe dich auch nicht so richtig gut gekannt, obwohl ich dich gekannt habe. Ich habe viel Schmerz miterlebt, weil Mama verletzt und traurig war. Ich habe oft auf taub gestellt und mich an einen anderen Ort gesehnt. Doch ich habe kleine Wunder miterlebt. Ich habe erlebt, dass eine Kraft auf jeden und in jedem Menschen wirkt. Ich habe Veränderungen erlebt. Mit jedem Weihnachstfest und jedem anderen Treffen wurde es ein klitzekleines bisschen anders und besser. Ein Mensch, den ich für ziemlich unverbesserlich hielt, gab Alkohol und Zigaretten nach mehreren Jahrzehnten auf, machte kleine Schritte auf andere, auf seine Tochter zu. Ich mag ihn halt trotzdem, er ist mein Papa, sagte sie dann. Man glaubt wohl nie, dass man jemanden nie wieder sieht. Als ich dir zum Abschied die Hand gab, dachte ich auch, ich würde dich wiedersehen. Allerheiligen, Weihnachten. Ich glaube daran, dass das Schwierige ein verwobener Teppich aus schönen und schlechten Seiten war, und dass ein gutes Herz ganz oft nicht nach vor scheinen konnte. Ich bin dir unendlich dankbar dafür, dass du meine Mama in die Welt gesetzt hast und dass du sie, trotz allen Unglücks, das sie erleben musste, zu einem so wunderbaren Menschen wachsen ließt.
Guildenstern - 22. Jul, 20:03
Ich: Guten Abend! Ich hätte gerne ein Bayernlos.
Verkäuferin: Hast du einen Ausweis dabei?
Ich: ICH BIN 35!!!! Aber ich habe schon einen Ausweis mit, klar.
(Kenn mich gar nicht so. Hätte wohl an einem anderen Tag - einfach nur an einem anderen? Oder früher? - einfach in mich hinein geheult, mich depressiv auf einen Schokoriegel gefreut.)
Packe meinen Reisepass aus.
Verkäuferin (grantig): Na, ich glaube es dir schon. Schaust aber viel jünger aus.
Aha, und warum, wenn ich bitten darf, sind wir dann per du, wenn Sie jetzt mitgekriegt haben, dass ich nicht 15, sondern 35 bin? So weit, das laut zu sagen, reicht mein Zorn dann nicht. Zu allem Überdruss ist mein Los eine Niete. Warum empfinde ich es eigentlich als Makel, wenn man mich für so jung hält? Ist es, weil ich dann annehme, dass man mich für entsprechend unreif hält? Oder weil man mir damit sagt, dass sich keine Lebenserfahrung in meinem Gesicht eingeprägt hat?
Ich sage euch eines, ihr ignoranten Menschenmissachter da draußen: Ich bin äußerlich so jung geblieben, damit ich mit meinem Mann fürs Leben mithalten kann, der ein paar Jährchen jünger ist als ich. So ist das! Sag ich jetzt mal! Und damit ich dann als späte Mutter noch als junge Mutter durchgehe. So ist das! Pah! Und außerdem ist es mir egal, solange es nicht mein Partner ist, der so eine Impertinenz zu mir sagt.
Guildenstern - 20. Jul, 19:44
Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich noch nie so etwas Schönes wie Doctor's Diary gesehen habe. Moment! Diese Behauptung bräuchte doch eine Überprüfung, einen Beweis. Vielleicht ist das aber egal, weil ich es einfach so empfinde. Diese Serie hat mich einfach im richtigen Augenblick und in der richtigen Lebensphase oder -situation erwischt. Das Märchen der letzten Folge (ORF, wohlgemerkt, nicht RTL) war unglaublich. Bei aller Möglichkeiten, ins Klischee zu rutschen, bleiben alle Wendungen glaubwürdig und alle Charaktere echt. Alle Kommunikationssituationen bleiben wahrhaftig und gerade dabei so komisch, so unglaublich komisch. Sogar die nicht enden wollende oder die wieder auftauchende Gefühlswelle für den Machoarzt ist irgendwie nicht unverständlich. Man fühlt sich sogar an ganz großes Kino erinnert, das die schwierigsten Konflikte und die schwersten Gefühle nicht ausspart. Selbst die Botschaft am Ende, an die Magie zu glauben und einfach nicht aufzugeben, ist magisch und wunderbar.
Ein Lob an die Autoren, Regisseure, Schauspieler, an alle! Mehr davon!! Dringend mehr davon!!!!
Guildenstern - 16. Jul, 19:06