Plötzliche Erinnerung an das Programm von Alfred Dorfer, das ich vor eineinhalb Jahren gesehen habe.
"Warst du schon einmal verliebt?"
"Wie denn, wenn ich alles verstehen will?"
Guildenstern - 4. Mär, 04:34
Gleich vorweg: Ich gestehe. Ich habe am Samstag einen Teil von DSDS angesehen. Ich hatte sogar eine gewisse Freude daran, hauptsächlich weil das Schauen im geselligen Rahmen stattfand. Nebensächlich, weil ich tatsächlich zwei Sänger erkannt habe, die mir wirklich zusagen. Von diesem Standpunkt aus könnte ich weiterschauen. Jedoch:
Ich verweigere nun. Ich boykottiere. Ein Artikel hat mich daran erinnert, wie inszeniert alles ist und wie wenig doch tatsächlich die Suche nach einem guten Sänger im Vordergrund steht. Duh! Aber manchmal vergisst man das. Als Mensch unter Menschen ist man sich zwar bewusst, dass nur "attraktive" Menschen in die nächsten Sendungen gewählt werden, aber hin und wieder lässt man sich selbst von der Aura eines solchen Menschen einfangen. Mensch, Mensch, Mensch! Nun gut, sollte von Menowin oder Mehrzad später etwas zu hören sein, werde ich mich auf dem Musikmarkt einschalten. Das Fernsehformat hat mich verloren.
Guildenstern - 22. Feb, 19:51
Es gab mal eine lange Zeit der Gewissheit, dass ich nie wieder in die niederen Gefielde von DSDS wanken würde, weil der Beste aller Zeiten, der Mann, der wahre Größe in allen künstlerischen und menschlichen Aspekten zeigt, gewonnen hatte. Etwas Vergleichbares konnte nicht mehr passieren. Warum dann zuschauen? So ging dann die letzte Staffel auch unbeachtet an mir vorbei - ich dachte nur "Pah, wenn ihr wüsstet, wie weit unten ihr grundelt im Vergleich zu dem Mann, der mich in seinen Bann gezogen hat!" Ein bisschen war's eigentlich wie die Musicals, als T nicht mehr an der Schule war und stattdessen H aus meiner Parallelklasse die Hauptrolle sang. Er war ja nicht schlecht. Aber er war auch extrem ungeeignet, um angeschwärmt zu werden. Irgendwie schaffte er es, einen Peinlichkeitsknopf in meinem Bauch zu aktivieren. Na ja, egal.
Nun, trotz Godoj, vielleicht weil Thomas Godoj ohnehin keinen wackelnden Sockel zu befürchten hat und weil ich mit einer anderen Brille fernsehen kann, habe ich mich wieder verführen lassen. Die Inszenierung ist --- peinlich. Voice-over und Bilder sind --- peinlich. Aber so als Gesamtpaket, bei dem man sich sämtlicher Manipulationstechniken bewusst sein kann, ist es nicht uninteressant. Ich vermute, ich habe nun einmal zu oft zugesehen und werde vielleicht noch ein paar Mal reinschauen. Jetzt verbinde ich schon Namen und Gesichter. Grmpf. Das Schöne daran: Es ist mir herzlich egal, wer weiterkommt, wer gewinnt, was auch immer. Aber ich finde es berückend schön, gute Musiker zu hören und rauszuhören.
Mir ist schon glasklar, dass weder das größte Talent - außer es ist so außerirdisch groß wie bei TG - noch die sympathischste Persönlichkeit eine Garantie für einen Platz weit oben sind. Aber ich freu mich darüber, dass ich in meinen Entscheidungen eindeutig bin. (Wenn man ich ist, dann ist das ein riesiger Fortschritt! Super übrigens, wenn man das Beurteilen dann kann, wenn man es beruflich nicht mehr braucht. Na ja.)
Ich hab während des Na-ja-nicht-immer-Genusses notiert, wen ich herausragend fand, und, hmm, das waren nicht so viele. Wenn's nur nach Stimme/Musikalität/Talent ginge, hätte ich das Triumvirat ganz oben schon beisammen. Ja, richtig, Triumvirat. Diesmal sind nämlich keine herausragenden Frauen dabei. Seltsam. Es gibt wunderschöne Frauen - poa! möchte auch aussehen wie Ines oder Céline! - und es gibt liebe Frauen (nicht disjunkt!). Aber die besten Sänger sind Männer.
Meine Platzierungen:
1) Mehrzad
2) Menowin
3) Nelson
Dann die Vielleichts:
Kevin
Manuel
Gewinnen wird Mehrzad. Der war nicht umsonst auf Platz 15 von 15 gebucht. Dramaturgie.
When all's said and done: I don't really care at all. Mitfiebern is nich. Ist doch alles nur Geldmacherei, und die wirklich guten Musiker werden erfolgreiche Musiker, auch wenn sie da nicht weiterkommen. Hmm, wenn ich so recht überlege, werde ich vielleicht doch nicht weiter konsumieren. Die Inszenierungen der Brüste sind schon abgeschmackt.
Guildenstern - 14. Feb, 00:10
Manche leben ihr Leben in einer anderen Reihenfolge als die meisten. Ich glaube, das hat etwas mit der Angst zu tun. Und natürlich mit der Empfindsamkeit der Sensoren, mit denen man durchs Leben schwimmt und fliegt. Und sowieso noch mit der Liebe, die man von Anfang an erfährt, und auch mit dem Bild, das man von sich selbst hat. Aber irgendwie hat doch wieder alles mit der Angst zu tun. Und ist das nicht alles verwoben, gar untrennbar, wie in Filz? Filz ist ja eines der schönsten Materialien überhaupt, und Deeply Felt ein jaw-droppingly awe-inspiring Laden mit Namen nach meinem Geschmack, but that's beside the point. Man kann teilweise noch die einzelnen Fasern erkennen, aber sie zu trennen wäre ein Zerstörungskommando.
Es ist für mich nicht rational verständlich, wie manche der Angst viel mehr Platz geben als andere. Aber intuitiv habe ich verstanden, dass die Angst das Thema ist. Anatomie der Angst - schade, dass es noch ein Weilchen dauert, bis ich es in Händen halten kann.
Hin und wieder bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich Englisch einstreue, als wäre es mein Dialekt. Sind ja nicht mal Anglizismen, ist ja veritables Englisch, das oft entlang des Wegs der Lektüre hängengeblieben ist. Zwei Persönlichkeiten, die doch eins sind? Oder eine Interferenz? Oder ein Zuordnungsproblem - Herzensdinge sind Englisch? Oder bloß Ungeduld - ich verwende jene Sprache zuerst, in der das Bild daherkommt, not bothering to find other words?
Rainhard Fendrich erntete (im Jahre Schnee) verbale Hiebe für sein Lied "Heidenangst". Angenehm unangenehm quer. Greift mit grober Hand in die Saiten im Bauch und zieht und zieht. Erkennt, erkannt.
Ich erkenne, was drei Lagen tiefer liegt. I did it for all the wrong reasons. Nein, teilweise. Das, was geblieben ist, bleibt wegen des richtigen Grundes, das, was ich tat, um unwissentlich meine unbekannte Angst zu besiegen, ist weg. Fleeting second: Wenn es "nie wieder" hieße, würde mein Leben auch weitergehen. Der Bauch nickt. Natürlich! (Wollen tu ich es nicht, aber es ist gut zu wissen, dass es mich nicht umbringen würde.)
Sogar an einem trüben Februartag ist die Stadt ganz mein Fall. Wenngleich ich auch praktisch stündlich damit rechne, dass mich Ernüchterung ereilt - die Zuneigung bleibt.
Guildenstern - 12. Feb, 22:10
Fremde vertraute Worte, die nach meiner Wahrheit klingen:
Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.
Georg Christoph Lichtenberg
Guildenstern - 12. Feb, 00:02
Jetzt weiß ich. Aber es wird mein Wissen bleiben. Kein Geheimnis, das ich mit aller Macht verteidige, sondern einfach mein Wissen, das mich trägt. Ich weiß, und plötzlich ist es klar.
Guildenstern - 6. Feb, 01:55
Merke: Wenn man mit mir unterwegs ist, wird bisweilen gerannt. Es soll ja Menschen geben, deren Lauftempo meinem auf beinahe übernatürlich natürliche Weise gleicht. Dem Rest der Menschheit eile ich zu schnell.
Jahrelange Praxis hat mich zu einer Expertin in Sachen "Wie erwische ich das Transportmittel meiner Wahl möglichst knapp?" gemacht. Ja, man muss schon darauf achten, noch möglichst viele Minuten davor für etwas Sinnvolles nutzen zu können. Während andere schon rastlos herumzewerln - Gruß von den schönen Dialektwörtern: Ich soll mal wieder eines benutzen -, anmerken, sie seien doch schwanger und könnten bitteschön nur langsam trotten, nervös schauen und eine Bemerkung über meine "bewundernswerte Gelassenheit" fallenlassen, bin ich ruhig und im Plan. Schiefgehen darf dann halt nichts, sonst steh ich schon mal mit meinem Finger auf den Türknopf gepresst da und erreiche auch nach zehn Sekunden nicht, dass sich die Tür öffnet - da setzt sich der Zug nämlich in Bewegung. Aber solche Fälle sind vernachlässigbar.
Hin und wieder sind allein die Umstände am Rennen schuld, aber sie scheinen sich an mich zu heften.
Ein ruhiger Sonntagsausflug an den See? Vorher muss beim Umsteigen noch einmal um den ganzen Hauptbahnhof gerannt werden. Es geht um jede Sekunde, waghalsige Manöver um weniger von Zeitnot befallene Reisende entgehen oftmals nur knapp dem Schicksal eines Desasters. Trotzdem hat C genügend Muße, beim Laufen meine Kehrseite abzulichten.
Ein entspannter Wintertag in der Therme? Die letzte S-Bahn muss aber sein, und so eilen wir im Laufschritt zum Bahnhof, wo wir keine Sekunde - na ja, eine Minute - zu früh eintreffen. Da wär ja noch was gegangen!
Ein schöner Abend im Kabarett, bei dem man alles um sich herum vergisst? Da muss man aber bitte doch ein bisschen früher rausgehen, um den Zug noch zu erwischen und um davor den Bus zum Zug noch zu bekommen. Quatsch, quatsch, quatsch - wir hetzen durch den Regenschneematsch.
I sog's glei: I woas net.
Guildenstern - 4. Feb, 01:02
Guildenstern - 30. Jan, 16:42
Meine vier Jahre Grundschule lang wunderte ich mich. Die Namensliste der Schüler bestand aus
Bub A
...
...
Bub Z
Mädchen A
...
...
Mädchen Z.
Im Rahmen der Ausbildung genoss ich einen Vormittag zum Thema Gender Mainstreaming. Er zerriss mich innerlich beinahe, wie meine gleichaltrigen Kolleginnen und Kollegen teilweise aus Hintvorderland waren. Ja, und die Frauen zum Teil noch schlimmer als die Männer. (Wer behauptet, Männer alleine hätten Emanzipation verhindert und würden dies tun, der verschließt die Augen vor der Wahrheit. Genauso viele Frauen erhalten den Status Quo, legen sich Änderungen in den Weg.) Ob man nun "FreundInnen" oder "Freunde" schreibe, ob man nun "Mein Vater ist Arzt und meine Mutter Krankenschwester." sagt oder "Mein Vater ist Krankenpfleger und meine Mutter Ärztin.", wenn man ein Bildungsvideo drehe, das wäre doch alles komplett egal. Es gäbe doch wahrlich Wichtigeres im Leben. Ladies and Gentlemen, I'm considering calling it a day. Das darf doch echt nicht sein! Das sind dieselben, die alles schwarz oder weiß sehen. In gewissem Sinne: Gratulation! Für den Beruf waren sie besser geeignet als ich. Aber genau diese Einstellung, dass es die Kleinigkeiten nicht wert seien, betrachtet zu werden, verhindert manchmal großen Fortschritt. Denn der passiert in den Köpfen nicht mit einem einzigen Schritt über den Himalaya. Ein Gebirge will in kleinen Schritten passiert werden. Das ist bei allen gesellschaftlichen Veränderungen so, nicht nur bei der Verbesserung der Gleichberechtigung. Bevor ich mich nun in Verästelungen verliere, nur ein Beispiel: 16-jährige Mädchen in einem Gymnasium in Deutschland, in einer Gegend, die man auf gut Englisch als well off bezeichnen würde (aber vielleicht nicht als tooootaaal progressiv), sollen gesagt haben - nicht zu mir, aber zu jemandem, der es mir weitergegeben hat -, dass sie eh nach der Ausbildung keinen Beruf ergreifen wollen würden, weil sie dann ja eh heiraten und Kinder kriegen wollen würden.
Und nun das:
Immer wieder taucht das Thema auf, und immer wieder gibt es Leute, die es nicht diskutieren wollen - denn eine Diskussion wäre ja legitim, über Änderungen darf gesprochen werden -, sondern die es als lächerlich und nichtig abtun. Mehr als nur schade. Andererseits: Da wartet einfach Arbeit.
Heimat bist du großer Söhne und Töchter.
Guildenstern - 27. Jan, 14:12