Wenn jemand aus dem Telefonbuch verschwindet, heißt es vermutlich nur, dass er eine neue Nummer hat, die er nicht zu registrieren wünscht, oder? Ne, nicht dass es mein Leben irgendwie beträfe, aber ich denke in Dimensionen meines Buches. How's it going to end?
Guildenstern - 3. Mai, 16:03
Frau-TV
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Guildenstern - 3. Mai, 16:01
Habe gerade in einer etwas krankheitsbeeinträchtigten Form eine Wiederholung von Frau-TV gesehen und schon wieder festgestellt: Das ist es!! Das ist es einfach!!! Einerseits ist sie eine der besten und notwendigsten Sendungen, andererseits schlägt mein Herz einfach immer schneller und höher, wenn es um Feminismus geht. Wann werde ich endlich in diesem Bereich etwas tun, arbeiten? Wann immer es darum geht, fühle ich mich angekommen, endlich mit mir eins, endlich richtig. Warum gebe ich nicht meinen jetzigen lästigen Job auf, ziehe aus, um, was auch immer, etwas mit diesem Thema zu tun? Vielleicht erst mal etwas studieren, viel lesen, vielleicht auch kopfüber wo einsteigen. (Schließlich warten ja alle auf mich.) Hier kann ich jedenfalls, schätze ich, mich nicht wirklich einbringen. Ich kann es noch immer nicht richtig auseinanderhalten, aber ich glaube, es ist nicht nur die Zeit, es ist hauptsächlich die Region. Hier ist es anders. Hier gibt es nur Prolo und Schicki. Es ist mir noch kein offener Machismo begegnet, aber das Frauenbild scheint auch außerhalb der Scheinwelt, in der ich bin, einfach von früher fortgeführt zu werden. Anderes wird totgeschwiegen. Und in der Scheinwelt sind außerdem auch maximal die Autoritäten feministisch, aber längst nicht alle. Auch hier gibt es Püppchen. Bevor ich nur noch meckere, lasse ich mein Fieber Fieber sein, erfreue mich des dösenden Halbdenkens und sage adieu für heute.
Guildenstern - 3. Mai, 15:50
Dieser Tag war viel zu gut, viel, intensiv, wichtig und sehr mein eigener, um ihn mit jemandem zu teilen außer mir selbst und der ach so großen Leserschaft da draußen. Mann, es fühlt sich an, als ob morgen mein Leben beginnen könnte - das neue, positive, gute!
Nach so einem schlechten Vormittag ist ein von oben nach unten gekehrter Tag dann noch eindrucksvoller. Eigentlich wollte ich ja nur mal wieder K, E und B sehen. Unterwegs fiel mir auf einmal auf, dass ich an C dachte, beinahe so, als ob ich wollte, dass er da wäre. Ich sagte mir, dass ich das nicht wolle, denn dann wäre es so angespannt - zumindest für mich. Da war er dann zwar, aber nach meinen anfänglichen Versuchen, die physische Anziehungskraft mit Verstand zu übertünchen, wurde es rasend interessant. Als einziger Mann in der Runde gab er plötzlich Ansichten und Einsichten preis, die ihn - sorry to say - zum ersten Mal wirklich interessant erscheinen ließen. (Komisch, wenn das von mir kommt.) Schon war es überhaupt nicht mehr schwer, mich normal zu benehmen. Bye-bye! Bei 98% zu 2% Redezeitverteilung zwischen C und den Frauen war es natürlich für mich nicht schwer, auch mal nachzudenken, und da fiel mir auf, dass es gerade sehr leicht und sehr passend war, den Dämon der Vergangenheit loszulassen, wegzuschicken. Loszulassen? Dann fiel mir auch gleich ein: Ich würde die Gelegenheit haben, gleich noch einen Dämon loszulassen.
So fuhr ich denn in meine frühere Heimstadt - Heimat war sie wohl nie so richtig -, um einen zu sehen, den ich schon lange nicht gesehen hatte. Als er auftrat, konnte ich mich beinahe nicht sattsehen an der Gesamterscheinung aus leger-sportlichem Kleidungsstil, Zweitagebart, Grinsen in den Augen, tall, lank figure. Aber der allererste Gedanke war gewesen, ob er denn wieder ein Flinserl trüge, denn, poah, das sah und sähe schrecklich aus. Ganz prollheimmäßig. Dann sah ich jedoch, dass das nur das Mikrofon an seiner Wange war, das aus der Ferne diesen Eindruck vermittelt hatte. Dann verbrachte ich den Abend damit, draufzukommen, dass er zwar schon irgendwie recht attraktiv war, aber eben nicht mehr. Yippee!!! Another demon gone! Der glitzernde Moment trug sich erst später zu. Nach der Ankündigung, man könne sich ein Buch signieren lassen, fing mein Herz an zu flattern. Ja, ich wollte ein Buch, nein, ich wollte mich nicht erneut ins Bewusstsein schleichen, nein, ich wollte aber auch nichts und niemandem ausweichen. Als ich dann drankam, gerade, als die Assistentin um Wechselgeld weg musste, meinte ich erst leichte Unruhe zu vernehmen, aber das war wahrscheinlich eine allgemeine. Selbst das minimale Zögern, das langsame Schönschreiben meines Namens, als ich auf die Frage "Mit irgendeiner Widmung? Oder einfach so?" geantwortet hatte, waren nichts, was nicht auch anders zu erklären gewesen wäre. Es war auch in vermutlich 15 Sekunden vorbei. Ich fühlte mich, gelinde gesagt, grandios. Auch alle Müdigkeit war dahin, ich überholte alle vor mir gegangenen Gäste im Eilschritt. In der Hand das brennende Buch.
I'm begging you for mercy, why don't you release me?
Mitnichten! I've just released you, whether you realized it or not.
Guildenstern - 3. Mai, 01:08
Prollheim ist noch wach. Das höre ich an den Ooh-und Äääh-Grölern. Das hörte ich auch vorgestern um vier Uhr nachts, als eine Glasflasche am Asphalt zu Bruch ging. Prollheim ist erstaunlich prollig. Sogar der eine Audifahrer, der mich an der Kreuzung in S blöd geschnitten hat, hatte ein Prollheimer Kennzeichen. Paranoia??
Guildenstern - 3. Mai, 00:29
Ich beginne es so zu empfinden, dass diese Kommunikation in eine ungute Richtung geht, weil wir uns wahrscheinlich schon hätten treffen sollen, und so kommunizieren wir aneinander vorbei. Mäh!
Guildenstern - 3. Mai, 00:27